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Ein Adventwochenende in Stockholm

© Text und Photos: Silke Wolff Zweimal war ich im Hochsommer in Stockholm. Die Stadt übte auf mich eine einmalige Faszination aus. Sie gilt nicht umsonst als schönste Hauptstadt Europas. Also warum nicht die letzten beiden Urlaubstage des Jahres dafür verwenden, um ein verlängertes Adventswochenende in Stockholm verbringen. Im Internet entdeckte ich ein supergünstiges Angebot. Flug mit SAS ab Düsseldorf, 3 Nächte mit Frühstück in einem Mittelklassehotel zentral in der Innenstadt. Da gab es nicht mehr viel zu überlegen.

1. Tag

Der 06.12.2010 beginnt sehr früh um 3:45 Uhr. Bei -8°C, Schnee und teilweise glatten Straßen machte ich mich auf den Weg nach Bielefeld. Der Regionalexpress zum Düsseldorfer Flughafen fuhr pünktlich ab. Bis zum Flughafen hatte er allerdings 40 Minuten Verspätung eingefahren. Gut, dass ich reichlich Zeit eingeplant hatte. Einige andere Fahrgäste waren schon etwas unruhig und hatten Angst ihre Flüge zu verpassen. Knapp 2 Stunden vor Abflug war ich am Check-in. Der ist bei Lufthansa und Fluggesellschaften der Star Alliance nur noch online oder an einem elektronischen Terminal, auf Wunsch mit Assistenz eines Angestellten der Fluggesellschaft, möglich. Ich hatte bereits am Vortag online eingecheckt und brauchte so nur noch meinen Koffer abgeben. Nach der Sicherheitskontrolle gönnte ich mir erst einmal einen Kaffee. Flughafen Düsseldorf Das Boarding begann pünktlich. Nachdem alle Passagiere an Bord waren, rollte die Maschine aber erst nach weiteren 40 Minuten zur Startbahn. Der Winter behinderte auch den Flugverkehr. Getränke und Essen gab es an Bord nur gegen zusätzliche Bezahlung. Ab etwa Skr 20,-- kostete ein Getränk, Skr 50,-- ein Sandwich plus Getränk. Zwei Stunden später landeten wir auf dem Arlanda-Flughafen etwa 70 km außerhalb von Stockholm. Hier ging es mit schwedischer Gemütlichkeit zu.  Es waren hier längst nicht so viele Menschen unterwegs wie in Düsseldorf. Das Gepäck kam sehr schnell. In der Ankunftshalle brachte mich ein Fahrstuhl direkt hinter dem Visitor Center auf den Bahnsteig zum Arlanda Express. Die Expresszüge pendeln im 20-Minuten-Takt zwischen dem Flughafen und dem Hauptbahnhof T-Central. Für die Hin- und Rückfahrt zahlte ich online Skr 480,-- (im Zug kostet das Ticket Skr 50,-- extra.). Bei der freundlichen Zugbegleiterin zeigte ich meine Kreditkarte, mit der ich das Ticket bezahlt hatte, vor. Sie diente als Beleg. Mit 200 km/h raste der Zug durch die Winterlandschaft. Nach nur 20 Minuten war er am Bahnhof in der Innenstadt. Mein Hotel lag direkt gegenüber dem Ausgang. Was für ein Glück. Mein Zimmer war klein, aber dafür ruhig zum Innenhof gelegen. Es war nordisch schlicht, praktisch und sehr schön eingerichtet. Ich fühlte mich dort wohl. Nach einer kleinen Pause fing ich an, die Stadt zu erkunden. Der Sergel Torg beeindruckte mich durch seine weihnachtliche Beleuchtung. So fielen auch die Bausünden der 1970er-Jahre  nicht so auf. An diesem Platz steht ebenfalls das Kulturhuset. Es beherbergt Theaterbühnen, Galerien, eine Bibliothek, Cafés und ein Restaurant. Sergel Torg Ein Stückchen weiter in der Hamngatan beeindruckte mich die weihnachtlich beleuchtete Fassade des Kaufhauses NK-Nordiska Kompaniet. Kaufhaus NK-Nordiska Kompaniet Im Kungsträggården war eine Eislaufbahn sehr beliebt. Der Kungsträggården ist eine ehemalige königliche Parkanlage. Im 19. Jahrhundert wurde er als trister Exerzierplatz genutzt. Heute ist er ein belebter und beliebter Treffpunkt mit zahlreichen Cafés. Kungstträggården Ich ging weiter auf die Insel Riddarholmen, die Insel der Ritter. Die Insel war fast menschenleer. Nur in einigen Büros brannte Licht. Mein Lieblingsbiergarten an der Evert Taubes terrass lag verlassen. Über den Wrangelska Backen lief ich zurück zum Birger Jarls Torg. Die Riddarholmenkyrkan ist im Winter geschlossen. Mir kam es vor, als wenn ganz Riddarholmen in einen Winterschlaf lag. In der Västalånggatan in Gamla Stan hatte mich das Leben wieder. Die Straße war voller Menschen. Zum ersten Mal fielen mir die vielen kleinen Läden auf. Mittlerweile knurrte mein Magen. So suchte ich mir ein schönes Restaurant. Gestärkt schlenderte ich durch die Österlånggatan bis zur Svartmanggatan. An der Tyska kyrkan vorbei kam ich auf den Stortorget. Ich hatte gerade noch Zeit, um dort über den kleinen Weihnachtsmarkt zu laufen. Die Buden wurden gerade geschlossen. So rutschte ich den Slottsbacken hinunter und ging durch das Reichstagsgebäude und durch die Drottninggatan zurück zum Hotel. Der Tag war lang genug, sodass er früh endete.

2. Tag

Als ich morgens um kurz nach 8 Uhr die Gardinen öffnete, war es bereits hell. Ich ließ es langsam angehen. Genoss das leckere skandinavische Frühstück. Nachdem ich mich winterfest gemacht hatte und das Hotel verlassen wollte, hatte es angefangen zu schneien. Deshalb machte ich mich erst einmal auf den Weg in den Untergrund. Das Stockholmer U-Bahn-Netz wird auch die „längste Kunstgalerie der Welt“ genannt. Zahlreiche Künstler haben die Stationen gestaltet. Von T-Centralen fuhr ich mit der blauen Linie. Der Eingang zu dieser Linie führte weit in den Untergrund. Dafür gab es schon einen ersten Eindruck der Kunst. T-Centralen Kungsträdgården gilt als schönste Station. Sie ähnelt einer Grotte mit zahlreichen Skulpturenfragmenten. In der Station Näckrosen zieren Seerosenblätter die Decken des Gewölbes. Die Wände in Solna Centrum werden mit einem 30 m langem Gemälde verziert. Ich fand auch die Mosaike in Västa Skogen schön. Näckrosen Soina Centrum Nach gut 1 Stunde kam ich in Kunsträdgården direkt hinter der Oper wieder an Tageslicht. Es hatte inzwischen aufgehört zu schneien und die Sonne schien sogar. Nur der Wind war eisig. Über den Blasieholmenhamnem ging ich nach Skeppsholmen. Dabei kam ich am altehrwürdigen Grand Hotel und dem Nationalmuseum vorbei. Die Schiffsanleger gegenüber, von denen im Sommer die Boote in die Schären auslaufen, waren eine einzige große Baustelle. Auf der Skeppsholmenbron blies der Wind noch eisiger. Von dort hatte ich, besonders bei Sonne, einen fantastischen Blick auf die Altstadt und das königliche Schloss. Panorama Gamla Stan Auf Skeppsholmen angekommen, fiel mir eine lange Menschenschlange auf. Sie alle standen an, um die chinesische Terrakottaarmee zu sehen. Auf dem Hügel gegenüber dem Eingang des Moderna Museet stehen Skulpturen u.a. von Nike de Saint Phalle. Sie hat auch die Grotte in den Herrenhäuser Gärten in Hannover gestaltet. Skulpturen von Niki de Saint Phalle Auf dem Rückweg bog ich zum Nybroviken ab. So konnte ich zum ersten Mal die Goldverzierungen des Kungliga Dramatiska Teatern betrachten. Von hier fahren die alten Straßenbahnen nach Djurgården und zum Skansen-Museum ab. Der Strandvägen wurde eindrucksvoll von der Wintersonne beschienen. Strandvägen In der Sibyllengatan 9 sollte sich ein Geschäft der Pukeberg Glasbläserei befinden. Ich fand allerdings einen noblen Herrenausstatter vor. An dem Östermalstorg befindet sich die Saluhallen. Die Markthalle ist für viele ein Stockholmhöhepunkt. Naja, Markthallen sind Geschmacksache und eher nichts für mich. Außerdem war es Samstag Nachmittag und sehr voll. Nach einer kurzen Runde verließ ich Saluhallen wieder. Saluhallen Durch die Nybrogatan kam ich auf die Birger Jarl Gatan, die edelste Einkaufsstraße und mit Geschäften aller internationaler Namen. In dem Geschäft der Kosta Boda Glasbläserei wärmte ich mich auf und bewunderte wieder die Figuren der „Catwalk“-Serie. Sie waren für mich als Souvenir immer noch zu teuer. Wieder in Gamla Stan musste ich feststellen, dass der Swedenbookshop nur im Sommer Samstags geöffnet ist. So ging ich erst einmal zu dem „kleinen Jungen, der in den Mond schaut“, legte eine Münze nieder und wünschte mir, noch einmal nach Stockholm zurückzukommen. Das obligatorische Foto machte ich per Selbstauslöser. Es war dort menschenleer. „kleiner Junge, der in den Mond schaut“ Mittlerweile hatte es zu dämmern angefangen. So ging ich hinüber nach Riddarholmen um Fotos zu machen. Das Licht war gut dazu. Auf dem Birger Jarls Torg blies der Wind so eisig, dass ich meine Finger vor Kälte kaum noch bewegen konnte. Stadhuset Wieder in Gamla Stan streifte ich auf der Suche nach einem Restaurant durch die Gassen. Es war überall sehr voll. Die Schweden essen früh zu Abend. Es war noch keine 16:00 Uhr. Schließlich landete ich im Café Sten Sture unweit des Stortorget Richtung Storkyrkan. In dem tiefen Kellergewölbe war es ebenfalls sehr voll und dazu noch feucht. Meine Kamera und alles andere waren sofort beschlagen. Das Essen war unter dem Durchschnitt. Ich kam mir vor wie in einer Touristenfalle. Das Café ist nicht zu empfehlen. Von der Station Gamla Sta nahm ich die grüne Linie, um mir noch etwas U-Bahn-Kunst anzusehen. Die Station Skärpnäck liegt weit draußen in einem Vorort. Die 17 Granitskulpturen waren nicht unbedingt gleich als Kunstwerke zu erkennen. Das beleuchtete Glas in Regenbogenfarben in Baganmossen gefiel mir schon besser. Skärpnäck Es war inzwischen noch kälter geworden, -7°C. Deshalb fuhr ich ins Hotel zurück.

3. Tag

Draußen war der Himmel bedeckt. Dafür war es etwas wärmer geworden, -1°C. Ich hatte aber sowieso Innenbesichtigungen geplant. Als ich mich auf den Weg zum Stadhuset machte, nieselte es sogar leicht. Am Stadthaus traf ich passend für eine Führung ein. Führungen in Englisch finden im Winter von 10:00 Uhr bis 15:00 Uhr (letzte Führung) zu jeder vollen Stunde statt und kosten Skr 50,-- pro Erwachsenen. Die 45- minutige Führung beginnt im blauen Saal. Der ist gar nicht blau, sondern aus rotem Backstein. Jährlich am 10. Dezember findet hier das Nobel- Preisbankett statt. Die Preisverleihung selbst erfolgt vorher im Konzerthaus. Die Stufen der großen Treppe im Saal sind in ihrer Höhe und Tiefe extra so ausgemessen, dass es den Damen in Abendroben und High Heels leicht fällt, hinunterzuschreiten. Blauer Saal Im Ratssaal hält der Gemeinderat seine Sitzungen ab. Von 101 Ratsmitgliedern sind zurzeit 54 Frauen und 47 Männer. Ratssaal Der goldene Saal trägt seinen Namen zu allen Ehren. Er ist mit 18,6 Millionen Mosaiksteinchen aus Glas und Gold verziert. Die „Mälarkönigin Stockholm“ wird hier als Herrscherin über Morgen- und Abendland sowie des Universums mit Mittsommersonne und Sternkreiszeichen dargestellt. Goldener Saal Ich war von dem Inneren des Stadthauses total fasziniert. Die Besichtigung war ihr Eintrittsgeld wert. Nach ein paar Fotos von der Außenterrasse lief ich noch einmal nach Gamla Stan. Hier gönnte ich mir eine Pause im Café der Stadtmission. Das liegt direkt am Stortorget. Dort war es wieder sehr sehr voll und ich fand nur mit Mühe und nach etwas Warten einen freien Platz. Die Pause bei einem Stück Kuchen und einem warmen Getränk tat gut. Am Schloss fand gerade die Wachablösung statt. Es hatten sich erstaunlich viele Menschen eingefunden. Wachablösung Ich kaufte mir für Skr 100,-- eine Eintrittskarte für die Royal Appartments. Zuerst besichtigte ich die Bernadotte Apartments. Einige Räume sind sehr schön gestaltet. Es waren aber viele Menschen unterwegs, eine Gruppe Russen mit Führerin, Italiener und Asiaten. Eine Etage höher befinden sich die Gästeapartments. Die sollen noch heute bei Staatsbesuchen genutzt werden. Gegenüber die State Apartments sind leider wegen offizieller Anlässe bis zum 26. Dezember geschlossen. Im Parterre wurden die Hochzeitsgeschenke des Kronenprinzenpaares ausgestellt. Ab dem 17. Jahrhundert war dies in Schweden gesetzlich vorgeschrieben. Seit 1968 sind die Ausstellungen freiwillig an drei aufeinanderfolgenden Sonntagen. Nach der Schlossbesichtigung zog es mich noch einmal zu der kleinen Skulptur. Dem „kleinen Jungen“ hatte jemand Schal und Mütze angezogen. „kleiner Junge, der in den Mond schaut“ Durch den bedeckten Himmel wurde es noch früher dunkel und ich müde. Im Café Piccolino im Kunstgrädgården versuchte ich mich mit einem Kaffee aufzumuntern. Gegenüber meinem Hotel lag das Nordic Sea Hotel. Hier ist die Absolut Ice Bar Stockholm. Ich hatte dort eine Reservierung. Vor dem Eingang bekam ich einen warmen Poncho mit Handschuhen. In der Bar sind konstante -5°C. Den Barkeeper fand ich bei der Auswahl meines Drinks, der ist im Eintrittspreis inklusive, unfreundliche und kurz angebunden. Trotzdem war der Drink, den ich mir aus der Karte ausgesucht hatte, lecker. Es war nicht so einfach aus den Eisgläsern zu trinken. Die schmolzen nämlich an den warmen Lippen. Im Winter schien die Icebar nicht die Attraktion zu sein. Bis drei italienische Großfamilien die Bar eroberten, waren wir nur 5 Gäste. Wahrscheinlich ist das Erlebnis im Sommer größer.

4. Tag

An meinem letzten Tag in Stockholm stürzte ich mich ins vorweihnachtliche Shoppinggetümmel, beschränke mich allerdings auf die Einkaufstempel um den Sergel Torg. Im Kaufhaus Åhlens begann ich. In der Einkaufspassage Gallerian beobachtete ich während einer Pause das Treiben. Es war Montag und außergewöhnlich belebt. Am Meisten beeindruckte mich das historische Kaufhaus NK-Nordiska Kompaniet. In der hohen Eingangshalle drehte sich ein riesiger Weihnachtsbaum. NK-Nordiska Kompaniet In der Nähe des Hotels gab es Jensen’s Bøfhus. Ich aß dort noch einmal. Es gab eine spezielle Mittagskarte. Das Essen war lecker, preiswert und es ging schnell. Beim Arlanda Express checkte ich online ein. Das ging recht einfach. Der Automat sprach schließlich deutsch. Ausgedruckt wurden Bordkarte und der Gepäckanhänger. Warum hatte ich das nicht erkannt, als ich das erste Mal davor gestanden habe? Der nächste Zug stand bereits am Bahnsteig. So konnte ich gleich einsteigen. Am Flughafen hielt er in Arlanda Süd und Nord. Nord ist das internationale Terminal 5. Auch hier ist der Check-in nur an Automaten möglich. Direkt nach der Sicherheitskontrolle begann der Duty-free-Shop. Ich bummelte hindurch. Kurz vor Beginn des Boardings wurde das Gate geändert. Mit 20 Minuten Verspätung starteten wir nach Düsseldorf.  Stockholm ist auch im Advent eine Reise wert. Die Aktivitäten müssen allerdings den eingeschränkten Winter-Öffnungszeiten angepasst werden. Schloss Drottningholm habe ich immer noch nicht gesehen. So muss ich noch einmal zurückkehren. zur Stockholm-Foto-Galerie:
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Die Vorstellung ist wundervoll, aber noch wundervoller ist das Erlebnis! (Oskar Wilde)
Silke Wolff
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